Inhaltsverzeichnis & Abstracts

“Nukleare Katastrophen – 30 Jahre Tschernobyl, 5 Jahre Fukushima”

 

Zum Geleit

Andrä Rupprechter (Bundesminister für Land-, Forst-, Umwelt und Wasserwirtschaft, Österreich)

Ulli Sima (Amtsführende Stadträtin für Umwelt und Stadtwerke, Wien)

Einführung

Kernenergienutzung im historischen Überblick

Am Anfang war ein Bergwerk… 

Christian Gepp

Der Titel ist einem Aufsatz in der Österreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen entlehnt und soll für den vorliegenden Beitrag den Ausgangspunkt des historischen Überblicks zu den Anfängen der Kernforschung markieren. Der Endpunkt wird mit dem Jahr 1953 gesetzt.

Die Entwicklung von Leistungsreaktoren von 1953 bis 2011

Reinhard Müller

Dieser zweite Teil des historischen Überblicks behandelt die Entwicklung der Kernenergie von den ersten Versuchsreaktoren bis Fukushima.

Der Einfluss kerntechnischer Unfälle auf den Ausbau der Kernenergienutzung – Die Beispiele Harrisburg (Three Mile Island), Tschernobyl und Fukushima

Klaus Gufler

Kerntechnische Unfälle beeinflussten und beeinflussen den Ausbau der globalen Kernenergie. Es wird auf die Auswirkungen der drei bekanntesten Unfälle, jene von Harrisburg (Three Mile Island Nuclear Generating Station – TMI), Tschernobyl und Fukushima, eingegangen.

Zwei Reaktorkatastrophen: Tschernobyl und Fukushima

Die Unfallursache von Tschernobyl: Menschliches Fehlverhalten und unzureichendes Reaktorkonzept?

Nikolaus Müllner

Dieser Text behandelt detailliert den Unfallhergang von Tschernobyl und dessen Ursachen. Im Zuge dessen wird auf den dort verwendeten sowjetischen Reaktortyp (RBMK) genau eingegangen.

Der Unfallablauf in Fukushima – Chronologie und wesentliche Ursachen

Christoph Pistner

Der genaue Unfallhergang und die Ursachen werden dargestellt und welche Lehren hinsichtlich der Notfallmaßnahmen und der Sicherheitseinrichtungen daraus gezogen werden können.

Tschernobyl und Fukushima – gemeinsame Unfallursache jenseits der Technik

Wolfgang Kromp, Helga Kromp-Kolb

Der Beitrag behandelt die systematischen, organisatorischen und strukturellen Probleme einer so komplexen Technologie wie der Kernenergienutzung und die prinzipielle Frage der Beherrschbarkeit.

Leben mit den Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima

Judith Brandner

Die Journalistin Judith Brandner hat Japan und die Präfektur Fukushima zwischen Herbst 2011 und Sommer 2014 mehrmals für Reportagen bereist. Dieser Bericht handelt über die persönlichen Auswirkungen des Reaktorunfalls auf die Menschen in der Umgebung des KKWs und deren Kampf gegen die japanischen Behörden.

Darstellung wesentlicher Erfahrungen der radiologischen Folgen der großen Unfälle

Von Chernobyl nach Fukushima

Peter Bossew

Der Aufsatz geht kurz auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Unfallursachen und –abläufe beider Reaktorkatastrophen ein. Danach werden ausführlich deren radioaktive Emissionen, insbesondere auch der Fallout in Österreich (von Tschernobyl) behandelt.

Atmosphärische Ausbreitung der Radioaktivität und Abschätzung des Quellterms

Gerhard Wotawa

Unmittelbar nach Bekanntwerden des KKW- Unfalls von Fukushima berechnete die ZAMG mithilfe des Modellierungsprogramms FLEXPART die atmosphärische Ausbreitung der radioaktiven Wolke. Die anfangs dafür notwendige Abschätzung des Quellterms für die Radionuklide Cäsium-137, Jod-131 und Xenon-133 mit einem relativ hohen Wert und einem damit vermuteten schwerwiegenderen Unfall wurde durch spätere Messungen der Strahlenbelastung bestätigt. Ein Vergleich der Quelltermabschätzungen von Tschernobyl und Fukushima wird gegeben.

Kurz-, mittel- und langfristige Effekte der Radionukliddeposition nach einem Kernkraftwerksunfall – Erfahrungen in Österreich nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl

Martin Gerzabek

Dieser Beitrag fasst die verschiedenen Effekte radioaktiver Freisetzungen zusammen und verwendet jene des Reaktorunfalls von Tschernobyl in Österreich als Beispiel. Dabei werden die direkte Kontamination von Nahrungs- und Futtermitteln durch Radionuklide ebenso betrachtet wie das Verhalten im Boden, die Wurzelaufnahme und die sehr spezielle Situation in naturnahen Ökosystemen wie Wäldern und Almen.

Auswirkungen erhöhter Tschernobyl Fallout-Deposition in den Zentralalpen

Friedrich Steinhäusler, Herbert Lettner, Alexander Hubmer

Die Autoren geben einen Überblick über die radioaktive Belastung der Stadt und des Landes Salzburg vom Zeitpunkt des Reaktorunfalls von Tschernobyl bis heute hinsichtlich deren Auswirkungen auf den damaligen Alltag, auf die Land- und Forstwirtschaft, auf den städtischen Bereich und auf die Bevölkerung. Ein zweiter Teil befasst sich mit den radioökologischen Langzeitfolgen für den alpinen Raum.

Radioaktivität in Lebensmitteln in Österreich

Manfred Ditto

Im Beitrag wird ausführlich auf die Auswirkungen des Reaktorunfalls von Tschernobyl auf österreichische Lebensmittel eingegangen. Wesentlich kürzer behandelt wird der Reaktorunfall von Fukushima, da es bei diesem zu keiner Kontamination von heimischen Lebensmitteln kam.

30 Jahre nach Tschernobyl, 5 Jahre nach Fukushima: eine umwelthygienische Bilanz über die Abschätzung der Gesundheitsfolgen

Hans-Peter Hutter, Michael Kundi, Hanns Moshammer, Peter Wallner

Der Text setzt sich nach einer kurzen Einführung über gesundheitliche Auswirkungen ionisierender Strahlung mit den Folgen von Tschernobyl auf die Bevölkerung in der näheren Umgebung des Reaktors bzw. in Österreich auseinander und behandelt anschließend die direkten Gesundheitsaspekte von Fukushima und indirekte auf Österreich.

Regulatorische Reaktion auf Fukushima in Europa

EU Stresstests für Kernkraftwerke

Helmut Hirsch

Der Aufsatz gibt eine chronologische Übersicht der Einführung der „Stresstests“ in der EU vom Unfall in Fukushima bis zu den Abschlussberichten. Er spezifiziert was die Stresstest (nicht) beinhalten und analysiert kritisch welche Lehren aus diesen gezogen wurden.

Stresstest Follow-up

Andreas Molin

Die Follow-up Aktivitäten nach den Stresstests der EU und der Mitgliedsstaaten werden kritisch beleuchtet und Mängel aufgezeigt.

Lessons learned: Wie sich der Strahlenschutz nach Tschernobyl und Fukushima verändert hat

Nina Cernohlawek, Peter Hofer, Viktor Karg, Katharina Stangl

Aus den Erfahrungen mit den schweren Reaktorunfällen in Tschernobyl 1986 und in Fukushima 2011 wurden vielfältige Erkenntnisse gewonnen, wie Katastrophen dieser Dimension zukünftig vermieden und Unfallfolgen minimiert werden können. Der Beitrag fasst diese zusammen und es werden ihre Auswirkungen auf das gegenwärtige Notfallmanagement beschrieben.

Über Tschernobyl und Fukushima hinaus: Grundsätzliche Probleme der Kernenergie

Umweltauswirkungen des Uranbergbaus

Peter Diehl

Der Beitrag setzt sich mit den Problemen des Uranbergbaus auseinander, dessen Umweltauswirkungen bei der Diskussion über die Kernenergie gerne übersehen werden. Zudem befindet sich dieser in letzter Zeit im Umbruch: zum einen gewinnt der Lösungsbergbau immer größere Bedeutung, zum anderen werden konventionelle Bergwerke für immer ärmere Erze geplant.

Eine Untersuchung des nuklearen Risikos in Europa zufolge schwerer Unfälle in Kernkraftwerken

Petra Seibert, Dèlia Arnold, Nikolaus Arnold, Klaus Gufler, Helga Kromp-Kolb, Gabriele Mraz

Der Aufsatz gibt einen kurzen Überblick über das Projekt flexRISK, bei dem Ausbreitungsszenarien von radioaktiven Partikeln in der Atmosphäre infolge schwerer Unfälle in Kernkraftwerken in mittlerer bis langer Distanz (> 20 km) von diesen, simuliert (mit Hilfe des Programms FLEXPART) wurden.

Kurzer Abriss der gegenwärtigen Europäischen Energiepolitik unter besonderer Berücksichtigung der Kernenergie

David Reinberger

Die derzeitige europäische Energiepolitik wird nach einer kurzen Übersicht ihrer Historie kritisch im Hinblick auf die Kernenergie als „CO2- neutrale“ Alternative beleuchtet und ihre zwangsläufige Widersprüchlichkeit aufgezeigt.

Sicherheitsrisiken der nuklearen Stromerzeugung und deren grundsätzliche Ursachen

Emmerich Seidelberger

Der Beitrag behandelt die Themen hypothetische Sicherheit, dies betrifft die „Sicherheitsphilosophie“ und die daraus resultierende Vorgangsweise bei der Auslegung von Kernreaktoren, reale Sicherheit, darunter fallen Beschreibungen realer Sicherheit und Schadensfälle und grundlegende Probleme mit der Reaktorsicherheit, die sich nach Ansicht des Verfassers aus der Diskrepanz zwischen hypothetischer und realer Reaktorsicherheit immer deutlicher gezeigt haben.

Technologische Sackgasse Kernenergie

Wolfgang Liebert

In diesem Beitrag werden unvermeidbare Ambivalenzen der Kern(energie)technologie diskutiert, um eine tiefer gehende Analyse dieser Risikotechnologie vornehmen zu können.